„Meinungsverschiedenheiten“ gibt es, so hört man sehr oft, im Verhältnis Europa-USA. Und mit dieser diplomatischen Sprachregelung nehmen Europas ‚Unwillige‘ zwar nicht alle von ihnen vorgebrachten Einwände gegen Amerikas Weltordnungspolitik zurück, schrauben sie aber doch auf ein so moderates Niveau herunter, dass sie damit bei Bush keinen Anstoß mehr erregen. So zeigt Europa das „Entgegenkommen“, das es – mitsamt seiner auf „Zeichen der Versöhnung“ hoffenden Öffentlichkeit – vom amerikanischen Präsidenten gerne gesehen hätte und erwartet hat. Und wenn der deutsche Kanzler so nett ist, das Zerwürfnis mit Amerika, zu dem er nicht unmaßgeblich mit beigetragen hat, zum Schnee von gestern zu erklären – „Es hat ein großes Maß an Gemeinsamkeit darüber gegeben, dass man die Konflikte, die es um den Irak-Krieg gegeben habe, hinter sich lassen will“ –, dann ist der US-Präsident gleich noch viel netter. Keineswegs will er auf alten Fehlern herumreiten: „Ich kann verstehen, warum einige mit unserer Irak-Politik nicht einverstanden waren“. Im Geistes dieses Verständnisses verspricht er seinen transatlantischen Partnern anschließend für die Zukunft, mit derselben Entschiedenheit voranzuschreiten, mit der er sich über das bekundete Nichteinverständnis mit seiner Irak-Politik hinwegsetzt hat: „Doch jetzt ist es Zeit, vorwärts zu kommen“ – basta! Und wer die Richtung dieses „Vorwärts“ bestimmt, ist für ihn keine Frage.